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Wer geht in Führung im führerlosen Betrieb?

Ein führerloser Betrieb, die Verantwortung auf alle Mitarbeiter verteilt, ein Zusammenarbeiten auf Augenhöhe – hach, das klang herrlich, als Gebhard und ich zum ersten Mal darüber nachsannen! Sie können sich vorstellen, dass ich heute entsprechend stolz darauf bin, dass die Alois Heiler GmbH sich nun genau diesen Titel geben darf: ein Betrieb ohne formale Hierarchien und Anführer.

Doch eine solche Transformation gelingt natürlich nicht ohne gelegentlichen Schluckauf. Diesen spüre ich immer wieder, wenn im Betrieb ein Problem auftaucht, das nicht ganz alltäglich ist. Dann heißt es häufig: „Gebhard, Stephan, könnt ihr mal …?“ Das klingt erst einmal komisch, für einen Betrieb ohne formale Hierarchie.

Wer ist der Chef?

Spontan poppt da der Zweifel auf: Naja, so ganz ohne Anführer scheint es im Unternehmen dann wohl doch nicht zu gehen. Der Heiler und der Borck nennen sich einfach nicht mehr „Chef“ oder „Führungskraft“, aber unterm Strich bleiben sie genau das.

Nun, nein, unser Vorhaben steht tatsächlich um einiges besser da. Wir streben nach wie vor ein Unternehmen voll eigenverantwortlicher Generalisten an. Und wir sind überzeugt, dass das gerade ohne Führungskräfte funktioniert, sofern wir unsere Rollen verstehen.

Eine Rolle ist dabei mehr als eine Stellenbeschreibung, eine Zuständigkeit. Das ist das Wichtige dabei. Rollen hängen von der Situation ab. So kann ein Mitarbeiter in einer Sache Spezialist sein, in einem anderen Zusammenhang vielleicht Mediator oder er ergreift situativ die Führung, weil er die entsprechende Autorität hat. Rollen fest zu vergeben, behindert in unseren turbulenten Zeiten. Stattdessen bringt es uns weiter, deutlich zu definieren: Liebe Mitarbeiter, ihr dürft in verschiedene Rollen schlüpfen, auch immer wieder in die Führungsrolle.

Neu aufgerollte Führung

Dass dieses Denken ein wenig Übung erfordert, ist klar. Denn Mitarbeiter müssen nun den Unterschied erkennen: Haben sie ein alltägliches Problem vor sich, das sie im Alleingang lösen können? Oder handelt es sich vielmehr um ein strukturelles oder strategisches Problem, in das sie andere miteinbeziehen sollten? Und wen braucht eine gute Lösung in welcher Rolle?

In diesem Prozess stecken wir bei der Heiler GmbH selbst noch mittendrin. Und so fokussiere ich mich für den Moment noch darauf, mein Team immer wieder an die Grundregel jeder Rollenverteilung zu erinnern: Sie dürfen mit ihrem Problem immer an einen Kollegen in einer anderen Rolle herantreten, die besser darauf passt oder eine bessere Lösung bieten kann – aber die Verantwortung für die endgültige Entscheidung geben sie nie ab. Sie bleiben in Führung.

 

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1 KommentarJetzt kommentieren

  • eine interessante Seite -Block und Thema…. Wirklich harmonisch und wünschenswert… Einiges erinnert mich allerdings etwas an einstige “sozialistische Wunschvorstellungen”, wofür der Großteil der Menschen (nach meiner Meinung) nicht geschaffen ist. Jeder ist für Jeden und zu jeder Zeit da… Jeder übernimmt selbstverständlich und gern Verantwortung und trifft Entscheidungen. Im verursachten Desaster fürchtet er keine Konsequenzen, da er ja Teil eines super engagierten Teams ist, welches für den entstandenen Schaden gemeinsam gerade steht. Aus welchem Grund sollten die Menschen überhaupt Verantwortungen übernehmen wollen wenn sie es nicht müssen? Bedarf es nicht einem greifbaren Anreiz, Antrieb- einem persönlichen Vorteil? Oder soll das Gefühl von einem gleichberechtigten Teil eines Ganzen zu sein dazu motivieren? Quasi…jeder ist gleichberechtigter Mitarbeiter, Chef und Verantwortlicher…. Dies schließe JEDE Hirarchie aus.
    Man wünscht, dass die Mitarbeiter sich Problemen, Herausforderungen, Gedanken zu Optimierungen sofort annehmen und alles tun, dass es der Familie (Firma) gut tut und der Erfolg voran getrieben wird. Erfolg? Ist sich jeder Mitarbeiter bewußt, dass er Teil des Erfolges ist? Woran misst er das? Worin spürt er das? Sieht er seinen Erfolg indem er sich sagt…. Ich gebe alles…weil es ist meins…. ich liebe es… und außerdem habe ich auch nächstes Jahr meinen Job noch. Oder ist der Anspruch höher und er sieht und wünscht seinen Erfolg in einem Geschäftsführergehalt… möchte er sich weiterbilden…weiterentwickeln… in welchem Tempo in welchem Bereich? Hat er etwa eigene Interessen und Wünsche außerhalb der Firma? Sind die Menschen nicht unterschiedlich? Brauchen sie tatsächlich keine Führung? Endet dies nicht in Anarchie? Der Sozialismus jedenfalls ist gescheitert… Die freie, soziale Marktwirtschaft hat sich bisher bewehrt und die Konkurenz hat das Geschäft belebt… Allerdings nicht ohne Nebenwirkungen… Das Thema “Anreiz” ist mir persönlich am sympathischsten… Wenn ich ein persönliches Ziel, einen Wunsch, eine Inspiration sehe, brenne ich auf den Erfolg… Meine Fehler auf dem Weg dahin kommen mir auch nicht so verhängnisvoll und katastrophal vor. Sie geben mir neue Antworten und weisen mir andere, bessere Wege… Fehler sind klasse…. Ohne sie würden wir nie was lernen… :)
    LG

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