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Wenn’s mal wieder länger dauert …

Wie kommt der Mitarbeiter selbst auf den richtigen Weg, wenn ich als Chef plötzlich keine Anweisungen mehr gebe und keine Macht mehr habe?

Mit dieser Angstsituation sah ich mich konfrontiert, als wir vor dem Prozess unserer Unternehmensumstrukturierung standen. In normalen Betrieben mit Hierarchien ist die Vorgehensweise schließlich sehr viel klarer. Und auch ich wünsche mir noch heute in manchen Momenten eine schnelle Entscheidung. Der Weg zurück allerdings ist trotzdem keine Option. Ich erläutere Ihnen gerne, weshalb.

Die Würde ist unantastbar

Ich merke inzwischen immer häufiger in Gesprächen mit anderen Unternehmern, dass sich viele Unternehmen in die Richtung, die wir bei der Alois Heiler GmbH eingeschlagen haben, entwickeln wollen. Auf Konferenzen und in Workshops wird viel über New Work und agiles Arbeiten gesprochen, doch die konsequente Umsetzung hat bei den wenigsten stattgefunden – geschweige denn, dass sie sich ihre individuelle Basis geschaffen hätten.

Aber genau das ist der erste Schritt: Schon lange vor dem Kickoff 2014 – meiner letzten diktatorischen Einzelentscheidung im Alleingang – diskutierten Gebhard und ich ganz ausgiebig und akribisch und suchten nacht unserem Grundgesetz. Wollen wir Transparenz schaffen? Bin ich bereit, Macht abzugeben? Beides Fragen, die nicht einfach, aber unbedingt konsequent zu beantworten waren. Und im Falle der Beantwortung mit „Ja“ in der Folge ganz neue Welten und Möglichkeiten eröffnen.

Ja, aber …

Die Angst vor zu viel Transparenz gegenüber Ihren Mitarbeitern kann ich durchaus nachvollziehen. Vor allem im Mittelstand befürchten Unternehmer, dass in der Belegschaft Neid aufkommt, wenn sie Einkommensunterschiede, Umsatz und Gewinn offenlegen. Denn sie vergessen, dass Transparenz nicht einfach nur bedeutet, Zahlen, Daten und Fakten unkommentiert zu veröffentlichen. Wenn ich mich entscheide, im Unternehmen Transparenz zu üben, so muss ich meinen Mitarbeitern auch die Fähigkeit mitgeben, das Gelieferte zu deuten und in unternehmerische Zusammenhänge zu setzen. In der Praxis dürften Sie überrascht sein, wie viele Mitarbeiter dieses eigenständige und unternehmerische Denken bereits mitbringen. 

In hierarchisch organisierten Unternehmen bedeutet eine gewisse Stellung immer Macht. Dank eines Titels ist diese begründet und bietet das Recht, Ansagen zu machen. Wenn es im Unternehmen durch Macht und Anweisung zu Handlungen kommt, ist ein möglicher Widerstand am stärksten. Denn niemand achtet darauf, ob das Gegenüber die Anweisung hinterfragt. 

Macht vs. Einfluss

Ohne diese Macht in der Hinterhand, reduziere ich diesen möglichen Widerstand zwar, muss aber natürlich andere Mittel und Wege finden, um sicherzustellen, dass Mitarbeiter trotzdem arbeiten. Es muss also Regeln und Konsequenzen geben, die für alle gelten. Das mag jetzt natürlich kontraproduktiv und weniger attraktiv klingen, hat aber den Vorteil: Ich ersetze Macht durch Einfluss. 

Tatsächlich ist Einfluss deutlich angenehmer und produktiver – für alle Beteiligten. Allerdings muss ich mich etablieren, um Einfluss üben zu können. Ich brauche ein gewisses Level an Kompetenz und muss mit den Mitarbeitern auf einer gemeinsamen Ebene kommunizieren. Um kein Machtvakuum hervorzurufen, sorge ich daher dafür, dass die Belegschaft das Unternehmen versteht und sie sich im Gegenzug auch verstanden fühlen.

Langsam ist stabiler

Nun haben Sie womöglich den Eindruck, dass dieses Vorgehen nicht nur langwierig, sondern auch wahnsinnig mühsam vonstatten geht. Da möchte ich Ihnen zunächst gar nicht widersprechen. In der Praxis haben wir bei Heiler Glas allerdings die Erfahrung machen dürfen, dass der langsame Prozess am Ende sehr viel stabiler verläuft – und ans Ziel kommen wir auch.

Eine Kompetenz, die ich hierdurch von meiner Seite in den letzten Jahren ausbauen durfte, ist die der Kritikfähigkeit. Denn wenn ich doch einmal ins alte Muster zurückzufallen drohe, schmiert mir das die Belegschaft schnell aufs Brot. Und das ist gut so – denn auch eine eigenständig denkende Belegschaft, die mich ausbremst, wenn ich vorpresche, stabilisiert das ganze Unternehmen.

 

 

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