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Sicherheit bringt nur die Gegenwart

Soll-Ist-Vergleiche sind für viele Unternehmen so wichtig wie die Kaffeemaschine. Zu Beginn des Jahres wird mit viel Aufwand das strategische Soll festgelegt. Die Hausnummer, die nun die nächsten zwölf Monate im Raum schwebt. Spätestens nach jedem Quartal wird der Ist- mit dem Soll-Zustand verglichen, um sicher zu gehen, dass alle noch auf Kurs sind. 

Aber können wir die Zukunft wirklich planen?

Das Jetzt ist entscheidend

Ein Paradigma, das wir in der Alois Heiler GmbH mit Bezug auf die zunehmende Unsicherheit seit Beginn der Transformation infrage stellen, ist die strategische Planung. Nicht die Aktionsplanung, denn Gebhard und ich lieben es sehr, überlegt zu handeln. Aber wir misstrauen der Vorwegnahme der Zukunft. 

Anstatt die Entwicklung der Firma gegen eine Sollvorgabe abzugleichen, reflektieren wir deshalb ständig den Ist-Zustand. Wo in vielen Unternehmen die Geschäftsführung Maßstäbe für richtig und falsch festlegt, zeigen wir, was wir über die Wirklichkeit wissen. Dann überlegt jeder aus der Belegschaft, ob wir uns dazu angemessen verhalten.

Alles nach Schema F

Klar, Planung bringt immer auch ein Gefühl von Sicherheit und der Wunsch nach dieser wird immer größer. Aber, meiner Meinung nach, ist strategisch planen auch nur ein psychologischer Kniff, mit dem wir uns selbst übertölpeln. 

Bei der gängigen Soll-Ist-Methodik können etliche Mitarbeiter ihr Hirn getrost ausschalten. Sie berichten mithilfe des Formularwesens, ob sie ihren Teil vom Plan erfüllen. Die Vorgesetzten kontrollieren das und senden ihrerseits Auswertungen nach oben. An der Spitze überprüft man „alles“. Als Reaktion gibt es ein „Weiter so“ oder Kurskorrekturen. 

Das Mehr an Sicherheit

Für mich haben solche Soll-Ist-Vergleiche der Umsatz-, Absatz- oder Preisziele mit der Wirklichkeit oft wenig zu tun. Sie befriedigen schlicht unseren Wunsch nach einer verständlichen Welt. Und auch wir bei der Alois Heiler GmbH haben diesen Wunsch natürlich. Und dieser wird befriedigt durch die Möglichkeit, das aktuelle, tatsächliche Ergebnis laufend recht simpel kontrollieren zu können. Das stärkt unser Gefühl, die turbulente Welt im Griff zu haben. Der Weg dahin war nicht leicht, denn um diese Sicherheit zu erreichen, mussten wir uns erst die gewohnte Sicherheit nehmen. 

Anders, aber zielführend

Seitdem gibt es bei uns folgendes nicht mehr: Strategische Pläne und daraus abgeleitete Absatz-, Umsatz- oder Kostenzielvorgaben, Zielvereinbarungsgespräche, Bonusvereinbarungen mit Mitarbeitern, variable Vergütungen, Abschlussquoten, Abteilungs-, Bereichs- oder Teambudgets.

Dafür haben wir aber andere Dinge eingeführt: Kassentransparenz über Umsatzerlöse, Aufwände und Deckungsbeiträge, regelmäßiger Bericht zur Entwicklung der Reklamationsquote, Übersicht der Verkaufsentwicklung der Kundensegmente, Betriebsversammlungen zur strategischen Abstimmung übergeordneter Projekte wie etwa der Anschaffung und Einführung eines neuen EDV-Systems. 

Sie sehen schon: Dieses Vorgehen erfordert, dass jedes verfügbare Hirn mitdenkt. Und wir sind überzeugt, dass uns jedes eingeschaltete Gehirn unserem Ziel näher bringt.

 

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1 KommentarJetzt kommentieren

  • Ich finde den Ansatz strategische Pläne aus einem Soll/Ist-Vergleich abzuschaffen und sie durch eine stetige Reflektierung des Ist-Zustandes zu ersetzen sehr interessant. Sicher ist dies in einigen Abteilungen sinnvoll und zu überdenken, da manche Soll-Vorgaben zwar strategisch aus klugen Köpfen geplant, aber im Average nicht umzusetzen sind (kennt man auch von MTM-Verfahren).

    Dass dies nur durch einen Sprung ins kalte Wasser durchzuführen ist “Der Weg dahin war nicht leicht, denn um diese Sicherheit zu erreichen, mussten wir uns erst die gewohnte Sicherheit nehmen. ” ist denkbar und ebenso schwierig, da auch das Management bei solchem Vorhaben mitziehen muss.

    Andernfalls sind strategische Soll/Ist-Pläne aber z. B. in der Projektplanung sehr sinnvoll. Stringent aufgezeichnet, kann man so Ideal eine Kostenrechnung durchführen. Wie viel haben wir noch vom Projektbudget und wofür benötigt welche Abteilung wie viel Budget vom eigentlichen Soll? Eine reine Ist-Reflektierung reicht dazu nicht aus und die Gefahr ist hoch, dass das vorgeschriebene Budget überschritten wird.

    Dennoch sollte man den Sinn hinter der verwendeten Methode hinterfragen und ggf. auf eine effizientere Variante umsteigen.

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