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Darum sind wir noch nicht pleite

„Ja, sind die denn noch nicht pleite?“ Seitdem wir mit unserem Buch an die Öffentlichkeit gegangen sind, begegnet Gebhard, unseren Mitarbeitern und mir diese Frage häufig. Vor allem seitdem die Presse über die Transformation der Alois Heiler GmbH berichtet hat, stellen uns Menschen aus ganz Deutschland diese Frage. Erst kürzlich fragte uns ein großer deutscher Fernsehsender – und ich habe mich sehr gefreut, in die laufende Kamera lächeln zu können: „Nein, und zwar darum …“

Dann tanzen die Mäuse auf dem Tisch

Was denken Sie, wenn Sie von der „Firma ohne Chef“ hören? Viele Menschen scheinen zu denken, dass das nicht funktionieren kann. Nach dem Motto: „Wenn die Katze aus dem Haus ist, dann tanzen die Mäuse auf dem Tisch …“ Oder etwas moderner ausgedrückt: Eine Firma ohne Chef arbeitet nicht nach Maßgaben des Paternalismus, also gibt es keine Kontrolle, also gibt es keine starke väterliche Hand, welche die Richtung weist und weiß, was gut ist für die Firma, die Mitarbeiter.

Ohne einen Führer, also eine starke formale Führung, kann eine Organisation, in diesem Fall unser Unternehmen nicht erfolgreich sein. Ergo sollten wir pleite gehen. Tun wir aber nicht.

Führungslos?

Die Gefahr, die bei unserem Ansatz der Selbstorganisation gesehen wird, ist das ausbrechende Chaos. Wenn niemand an der Spitze steht, dann macht jeder, was er will. Aber das ist ein Missverständnis der Transformation unseres Unternehmens. Denn auch wenn wir den Chef abgeschafft haben, gibt es bei uns durchaus „Führung“. Und zwar natürliche Führung. 

„Natürlich“ deswegen, weil sich innerhalb des Unternehmens, in bestimmten Situationen, angesichts konkreter Herausforderungen, Menschen hervortun und aufgrund von Selbstverantwortung und individuellen Fähigkeiten „in Führung gehen“. 

Diese Weise der Führung beruht auf einem bestimmten Menschenbild, dem wir bei der Alois Heiler GmbH Raum für die Entfaltung geben.

Ohne Hirn

Wir sind der festen Überzeugung, dass Menschen, denen zugetraut wird, sich selbst zu organisieren, viel wertvoller für ein Unternehmen sind als jene, denen vorgeschrieben wird, was sie zu tun haben. 

Menschen wollen sinnvoll agieren, Menschen sind so gestrickt, dass sie in natürliche Führung gehen, wenn sie diesen Gestaltungsraum haben. Und dass sie eine natürliche Führung auch anerkennen. Denn ohne diese Anerkennung durch das Team ist natürliche Führung nicht möglich. Entzieht das Team dem Teammitglied, das in Führung gegangen ist, das Vertrauen (z.B. weil eine neue Situation andere Fähigkeiten benötigt), dann organisiert sich das Team neu – und löst die Probleme, ist kreativ. 

Mehrere Gehirne zusammen denken besser als eines alleine. Niemand ist immer auf allen Gebieten für das ganze Arbeitsleben fähig, sinnvoll zu führen. 

Das ist gute Führung: Das Zusammenspiel des Teams und derjenigen oder desjenigen, der in bestimmten Situationen in Führung geht. Formale Führung führt nur dazu, dass die Menschen, die geführt werden, ihr Hirn abschalten – und nur noch Anweisungen folgen, gehorchen. Egal ob sinnvoll oder nicht.

Ein tolles Jahr

Also warum sind wir, obwohl wir eine Firma ohne Chef sind, obwohl wir uns jetzt seit Jahren ohne formale Führung organisieren, nicht pleite? 

Weil der Raum, den diese andere Unternehmenskultur eröffnet, die Mitarbeiter zur Entfaltung bringt. Sie werden klüger, leistungsfähiger, kreativer, agieren verantwortungsvoller für das Unternehmen, ihre Kollegen und auch für sich selbst. Der Sinn, den die Menschen nun in ihrer Arbeit erkennen, lässt aus dem Gedanken der formalen Führungslosigkeit diese unternehmerische Realität entstehen, die mich in die Kamera des Fernsehteams lächeln ließ: Denn 2018 war für uns bei der Alois Heiler GmbH kein Pleite-Gruselszenario. Sondern das erfolgreichste Jahr seit Jahren.

 

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