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Warum ein Nachfolger mehr als ein Wort mitsprechen sollte

Die Firma meines Vaters, die Alois Heiler GmbH, einen mittelständischen Betrieb für Glasduschen als Nachfolger zu übernehmen? – Gegen diesen Gedanken habe ich mich lange gesträubt! Nun mag es auf den ersten Blick toll klingen, als Sohn von heute auf morgen der große Boss zu werden, aber mir behagte diese Vorstellung überhaupt nicht. Denn was sind die Aufgaben als Chef eines Familienunternehmens? „Druck ausüben! Das letzte aus den Mitarbeitern herausquetschen! Alles tun, damit die die Zahlen stimmen!“ So negativ sah ich das zu jener Zeit.

Hätten Sie daran Spaß gehabt? Ich wollte lieber Lehrer werden und etwas Positives bewirken …

Mensch ist man Zuhause

Heute weiß ich, dass ich mit meinen damaligen Bedenken gegenüber dem Chef-sein, nicht alleine dastehe. Viele Nachfolger der heutigen Generation haben ein Problem mit der klassischen Rolle des Familienunternehmers. Mit dem Bild des Patrons für den allein die Zahlen stimmen müssen. Aber wie dabei die Unternehmenskultur ist, bleibt für ihn zweit- oder drittrangig: „Gegenüber den schludernden Mitarbeitern muss man als Chef hart und kompromisslos sein!“ – das Herz, die positiven Werte des Menschseins zeigt der Familienunternehmer dann im Privaten. 

Die frühere Generation konnte mit dieser Rollenvorstellung gut leben. Wenn ihnen ein Unternehmer etwas von Sinnsuche oder Ganzheitlichkeit erzählt hätte, wäre er als „Warmduscher“ oder der „Schwächling“ abgestempelt worden. Doch genau um die beschriebenen Werte geht es sehr vielen Nachfolgern – und deshalb kommt es bei den Übergabeprozessen häufig zu Generationskonflikten. Und das ist nicht nur ein Problem, sondern auch schade.

Die Kopie des Papas

Ja, ich bin der Meinung, dass wir einfach akzeptieren müssen, dass zwischen allen Generationen ein Wertewandel stattfindet. Und nicht nur das. Ich bin überzeugt, dass es sogar die Aufgabe und die Pflicht der Nachfolger ist, die bisherige Unternehmenskultur zu hinterfragen und neue Ideen zu entwickeln. Das ist nicht nur wichtig für den Nachfolger, um sich persönlich ein Standing aufzubauen. Vielmehr ist das die Grundlage, um das Unternehmen zukunftssicher aufzustellen. 

Klar, verstehe ich die ältere Unternehmergeneration. Schließlich haben sie alles aufgebaut, der Betrieb hat womöglich über viele Jahre hinweg gute Zahlen geschrieben – und nun will da ein Jungspund alles auf den Kopf stellen? Aber ich meine, dass der alte Chef lernen muss, loszulassen. Wenn der Nachfolger nur eine Kopie ist, wird er nichts erreichen. Dessen müssen wir uns bewusst werden.

Positives bewirken

Als ich mich entschied, die Alois Heiler GmbH zu übernehmen, stand für mich fest, dass ich von der alten Unternehmerrolle abweichen werde. Denn ich hatte eingesehen, dass mein Platz, um etwas Positives zu bewirken, nicht als Lehrer vor einer Klasse war, sondern im Familienunternehmen. Und so wurde ich Junior und arbeitete an der Idee einer Unternehmenskultur, die sich zum einen positiv auf die Mitarbeiter, zum anderen auch positiv auf die Zukunftsfähigkeit der Alois Heiler GmbH auswirken würde. Wir etablierten eine neue Unternehmenskultur, indem wir den Chef abschafften und daraus eine Organisation ohne formale Hierarchien formten. Heute, gut zehn Jahre später, hat sich gezeigt, dass wir mit dieser Entscheidung richtig lagen. 

In Zeiten der Buzzwords New Work, Agile oder Vuca redet die ganze Unternehmenswelt über Werte, Sinn, Mitbestimmung oder Eigenverantwortung – all dies haben wir bei der Alois Heiler GmbH schon längst erreicht. Weil mir mein Vater die Freiheit überlassen hat, die Unternehmenskultur zu transformieren.

 

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