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Warum ich nie mehr neue Mitarbeiter einstellen werde

So viel vorab: Wenn wir bei der Alois Heiler GmbH neue Mitarbeiter einstellen, hat das praktisch nichts mehr mit mir zu tun.

Nicht weil ich keine Lust darauf hätte oder der Sache gar überdrüssig geworden wäre. Nicht weil mich Bewerbungen langweilen oder ich einen riesigen Stab an Personalern beschäftigen würde, die mir alles abnehmen.

Nein, wenn wir neue Leute einstellen, dann habe ich diese Aufgabe ganz einfach an die kompetentesten „Einsteller“ übertragen: das Team.

Wir sind ja so dynamisch beim Einstellen …

Das war nicht immer so. Bevor Gebhard zu uns ins Unternehmen kam, verfasste auch die Alois Heiler GmbH wunderbar klassische, herrlich tröge Stellenausschreibungen: „Wir sind ein junges, dynamisches Team mit flachen Hierarchien und spannenden Aufgaben …“ Im Anschluss dann eine lange Auflistung benötigter Fähigkeiten und Kompetenzen. Kurzum: der gleiche Einheitsbrei, den alle Firmen erzählen, die neue Mitarbeiter einstellen möchten. Schön zu lesen, schön nichtssagend. Aber eben auch schön bequem für alle, die solche Textchen aufsetzen müssen.

Die Alarmglocken in unserer Führungsebene schrillten schließlich, als wir uns die Zahlen anschauten: Während der Wachstumsphase unseres Unternehmens hatten wir über einen Zeitraum von einigen Jahren 20 zusätzliche Stellen geschaffen. Um diese zu besetzen, mussten wir insgesamt 65 Bewerber einstellen – und somit den Großteil wieder gehen sehen, weil entweder wir oder die neuen Mitarbeiter selbst nicht zufrieden waren. Ich erschrak angesichts dieser Zahlen. Wenn Sie neue Leute einstellen, erhoffen Sie sich davon schließlich eine größere Effizienz und Produktivität. Wir hingehen hatten viel Zeit in den Sand gesetzt und mit der hohen Fluktuation obendrein am Arbeitsklima gekratzt.

Wir mussten etwas ändern.

Genervt, aber glücklich

Also gingen wir damals mit sofortiger Wirkung anders an Einstellungen heran und stellten eine neue These auf: Die handwerklichen Fähigkeiten der Leute stellen wir in Zukunft nicht mehr in den Fokus. Wir wollen vor allem, dass Sie ins Unternehmen passen!

Ob ein Bewerber passt – nun, das herauszufinden, bedeutete natürlich erst mal Mehrarbeit. Davon waren meine Mitarbeiter nun wirklich nicht durch die Bank begeistert. Denn ab sofort gab es keine hierarchische Einzelentscheidung mehr darüber, wen wir einstellen. Wie soll ein einzelner Chef auch wissen, welche Qualitäten ein Bewerber braucht, um optimal auf die freie Stelle in einem bestimmten Team, in einem bestimmten Umfeld zu passen?

Meine Mitarbeiter mussten also selbst ran. Obwohl sie darauf erst mal genervt und mit langen Gesichtern reagierten, kann ich heute sehr glücklich sagen: Der Einstellungsprozess funktioniert tausendmal besser – und macht auch meinen Mitarbeitern großen Spaß.

Dem Team sei Dank

Wenn wir heute neue Mitarbeiter einstellen, dann sitzt prinzipiell das Team am Drücker, das die Verstärkung braucht. Es ist entsprechend lange in der Verantwortung:

  • Das Team schreibt die Stellenanzeige – mit echten Aussagen über die zu besetzende Stelle und wirklichen Anforderungen an den Bewerber.
  • Das Team ist bei den Bewerbungsgesprächen dabei und entscheidet.
  • Das Team plant Schnuppertage für vielversprechende Kandidaten.
  • Das Team gibt den Neueinsteigern während der Probezeit regelmäßig Feedback.

Ich bin deswegen nicht arbeitslos geworden – ich begleite immer noch alle Schritte von der Prüfung des Budgets für eine neue Stelle bis hin zu dem Tag, an dem wir tatsächlich jemanden einstellen. Aber eher als stiller Zuhörer und Ansprechpartner bei Fragen rund um Gehalt, Urlaub & Co.

Unser Einstellungsprozess hat sich durch dieses Vorgehen auf stolze drei bis vier Monate verlängert. Ich würde ihn trotzdem nie mehr ändern, denn mit jeder Neueinstellung wächst das dafür relevante Wissen in den jeweiligen Teams. Entscheidungen werden dementsprechend immer besser und sorgen damit für Stabilität und Klarheit in den Teams.

 

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