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Falsche Signale von Führungskräften – oder: Es ist ein langer Weg nach Hamburg

„Wir müssen nach Hamburg und zurück!“, mit diesen Worten begrüßte der Vertriebsleiter den Einkaufsleiter kurz vor dem Jahreswechsel und es lag Dringlichkeit in seiner Stimme. Der Einkaufsleiter sah besorgt von seinem Schreibtisch auf. „Ja, warum das denn? Gibt es ein Problem?“ Der Vertriebsleiter winkte ab. „Nein, nein, kein Problem – aber ich muss noch Kilometer machen … In meinem Arbeitsvertrag steht, dass ich pro Jahr 50.000 Kilometer mit dem Firmenwagen fahren muss!“

Als mir dies vor Kurzem jemand nach einem Vortrag zu unserem Buch erzählte, dachte ich nur eines: So etwas gibt es wirklich! Da hatte der Geschäftsführer wohl die Intention, den Vertriebsleiter nicht im Büro rumsitzen zu lassen, sondern raus zum Kunden zu treiben. Mit der klaren Ansage „Du musst jährlich mindestens 50.000 km fahren“ sollte das wohl passen. Dass viele gut gemeinte Anweisungen nicht das erwünschte Ergebnis bringen, sondern oft klar gegen den gesunden Menschenverstand wirken, zeigt dieses Beispiel sehr deutlich.

Bei der Alois Heiler GmbH kann so etwas nicht passieren. Nicht weil die Menschen, die bei uns arbeiten per se „besser“ sind als dieser Vertriebsleiter, oder weil ich als Geschäftsführer intelligentere Ziele formuliere. Die Gründe liegen viel tiefer.

Die Spitze des Eisbergs

Ist das ein Einzelfall? Ein besonders prägnanter Fall von Verschwendung von Ressourcen, von unnötigen Kosten für das Unternehmen, die Gesellschaft und Umwelt? 

Nein. Sie werden ähnliche Geschichten aus eigener Erfahrung kennen. Der nach Hamburg fahrende Vertriebsleiter ist nur die Spitze des Eisbergs – aber als solche sehr aussagekräftig.

Zum einen weil gerade das Verhalten einer Führungskraft besondere Signalwirkung für die ganze Belegschaft hat. Wie das Verhalten des Vertriebsleiters auf sein Vertriebsteam wirkt und abfärbt, können Sie sich sicherlich vorstellen.

Zum anderen – denn es geht mir natürlich nicht darum, diese einzelne Führungskraft an den Pranger zu stellen – weil mir die zugrundeliegende Struktur am Herzen liegt, die ein solches Verhalten erst ermöglicht:

Die Struktur von Zielsetzungen

Die besondere Wirkung von falschen Signalen von Führungskräften ist für viele Unternehmen ein Problem. Und wenn mir jemand von einem solchen Problem berichtet, bestärkt mich das in dem Weg, den wir bei Heiler gegangen sind – auf formale Führungskräfte zu verzichten.

Denn es sind die Arbeitsstrukturen, die formalen Hierarchien, die individuellen Zielvereinbarungen, die sie zu solch einem unsinnigen Verhalten drängen.

Lege ich Zielvereinbarungen fest, dann wird sich das Verhalten der Menschen an diesen Zielen orientieren – und nicht am Interesse der Firma und der Kollegen. Die Ziele, die Sie in Ihrem Unternehmen vereinbaren, können noch so clever sein, die Menschen in Ihrem Unternehmen werden immer versuchen, diese Ziele in ihrem Sinn zu optimieren.

Zum Wohle des Teams 

Diese Erkenntnis hat uns bei der Alois Heiler GmbH ermutigt, sowohl auf Führungskräfte als auch auf individuelle Zielvorgaben konsequent zu verzichten. Bei uns im Betrieb wird nicht mit der Stoppuhr, der Hochrechnung aus den Vorjahreszahlen oder der Glaskugel das Soll für die kommenden Monate oder gar Jahre festgelegt. Bei uns wird nicht ab Oktober langsamer gearbeitet, weil die zu Jahresbeginn festgelegten Ziele schon erreicht sind. 

Denn ohne Führungskräfte und ohne Zielvorgaben passiert mit den Menschen etwas sehr Spannendes und Wertvolles: Sie geben sich selbst Ziele, sie beginnen, sich selbst zu führen, sie arbeiten selbstverantwortlich – und weil sie Verantwortung übernehmen, bringen sie sich zum Wohle ihres Teams und der gesamten Firma ein. 

Wenn bei uns heute jemand nach München fährt, dann aus gutem Grund – und nicht, um Kilometer abzureißen.

 

 

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