Aktuelles rund ums Badezimmer

2020? Ohne mich!

Falls Sie es noch nicht getan haben, kann ich es Ihnen fürs neue Jahr nur raten: Schaffen Sie sich ab! Als Chef, als Führungsspieler, als Spitze des Organigramms.

Ich selbst bin diesen Schritt 2014 gegangen – und habe den Cheftitel bereitwillig abgelegt. Die Ergebnisse sprechen für sich …

Ein offizieller Abgang

Dass ich plötzlich nicht mehr der Chef war, sorgte natürlich erstmal für Unruhe in der Alois Heiler GmbH. Wie auch nicht? Arbeiten ohne Chef, das bedeutete: kein Chef, der Arbeitsanweisungen gibt, kein Chef, der Ziele festlegt, kein Chef, der die Verantwortung trägt. Das ging entgegen aller Gewohnheiten, aller tiefverwurzelten Strukturen.

Ich würde lügen, würde ich behaupten, dass diese Transformation von heute auf morgen gelang. Da hilft die beste Dusche nichts, Chefsein lässt sich nicht einfach abwaschen. Ich war also durchaus noch eine Weile Chef – aber eben immer weniger.

Das gelang nur, weil ich mein Dasein als Chef offiziell beendete. Ganz formal vor allen.

Kein Chef für alle

Wenn es plötzlich keinen formalen Chef mehr im Unternehmen gibt, dann geht das alle an. Von der Reinigungskraft bis zum Betriebsleiter. Deshalb starteten wir ins cheflose Arbeiten auch mit einer zweitätigen Arbeitssitzung – mit absolut allen!

Schon innerhalb dieser zwei Tage wurde deutlich: Wir würden Leute verlieren. Einige Skeptiker, einige „das war doch aber immer gut so!“, einige, die mit dem Neuen nicht zurechtkamen. Doch das war okay. Denn die, die blieben, zogen ohne Chef umso besser mit …

Die geballte Verantwortung, die ehemals bei mir als Chef lag, wanderte ins gesamte Team. Wir erarbeiten uns alle gemeinsam strategische Entscheidungen. Jeder trägt Verantwortung – als einzelner Mitarbeiter im Tagesgeschäft, als Team-Mitglied für die Team-Performance und schlussendlich natürlich auch jeder für den allgemeinen Unternehmenserfolg. Ich hätte mir das Arbeiten als Nicht-Chef nicht besser vorstellen können.

Ich muss zugeben, das hätte auch anders laufen können.

Und der Chef?

Niemand konnte mir garantieren, dass meine Mitarbeiter so famos mitziehen würden. Aber genau deshalb haben wir ja Gebhard ins Boot geholt, um die Transformation möglichst professionell zu gestalten und alle Mitarbeiter bei diesem Wandel bestmöglich zu unterstützen. Denn dass ich kein alleinherrschender Chef und einsamer Entscheider sein wollte, das stand für mich früh fest. Schließlich war ich schon seit 1997 im Unternehmen, hatte 14 Jahre lang bei Heiler gearbeitet, bis ich die Unternehmensnachfolge antrat. War ich die erste Zeit gefühlt auf Augenhöhe mit allen Mitarbeitern, musste ich bald die Problematik der Führungskraft in einem hierarchischen Unternehmen kennenlernen. Sowohl als „Ansager“ als auch als „Befehlsempfänger“ fühlte ich mich nicht wohl. Ich war mir sicher, dass arbeiten auf Augenhöhe viel besser funktioniert. Das musste ich doch nutzen!

Und Sie dürfen das auch wagen. Ich wünsche Ihnen, dass Sie schon bald – vielleicht sogar noch dieses Jahr – dieselbe Antwort geben können wie ich, wenn Sie gefragt werden: „Und der Chef?“

Dann sage ich: „Den gibt es nicht.“

 

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